Eine ordentliche Kirchweih dauert mindestens drei Tage lang. Ortsansässige und Gäste treffen sich zum Essen, Trinken und Tanzen, in Bayern gern auch auf der Kirtahutschn. Das ist eine Wippe oder Schaukel: ein langer Baumstamm wird, am besten in einem Stadl / einer Scheune, horizontal aufgehängt und Belustigungswillige nehmen darauf Platz. Sobald dabei genügend gekichert und gejauchzet wird, setzt sich der Baumstamm ganz von allein in schwingende Bewegungen. Freilich kann durch gemeinschaftliches Schunkeln nachgeholfen werden.
Zum Kirchweihbrauchtum gehören je nach Region auch das Kirchweihkegeln, -schießen und -singen, Kirchweihbäume und Kirchweihmärkte.

Foto: „Zum Bettelmönch“ in Pirna; c/o Sylvia Koch
Mit besonderen Schlachtrufen begleiten einige Kirmesgesellschaften ihre Feste, und zwar zählen sie aufsteigend ab. Im Werratal z.B. heißt es „Verze-fuffze Kärmes! / Vierzehn-fünfzehn Kirmes!“ Warum und weshalb es die Thüringer so handhaben, scheinen sie nicht mehr so richtig nachvollziehen zu können. Aus der Geschichte der Kirchweih jedoch ist zu vermuten, dass es eine anfeuernde Aufforderung zum Weiterfeiern und Durchhalten ist: Kirchweihen zu begehen, reihum von Dorf zu Dorf, war im 19. Jahrhundert derart ausgeufert, dass sich die kirchlichen Sittenwächter zur Reglementierung veranlasst sahen und die offizielle Kirchweih auf – nur! – einen Tag festsetzten. Was die dörfliche Gemeinschaft davon hielt, brachte sie wohl in ihrem Motto zum Ausdruck. Recht deutlich wird das auch beim Schlachtruf der Steinbach-Hallenberger Kirmesgesellschaft (Region Haseltal, Nähe Rennsteig): „drei-sass-nü Do Kermes / drei-sechs-neun Tage Kirmes“. Hier bleibt’s eben, wie es war: Sobald die eine Kirmes vorbei ist, zieht die Gesellschaft weiter in den nächsten Ort ....
weiter mit: Rezepte zur Kirmes