Wie es einst war:

Martin - 11. November
Sommer und Herbst werden verabschiedet. Die Ernte ist eingebracht und im Jahreslauf der Bauern beginnt ein neues Wirtschaftsjahr. Mägde und Knechte erhalten den Jahreslohn, sie können nun auch den Dienstherren wechseln. Die letzten Tage vor Martini kann es die Dienerschaft oft ein bisschen leichter angehen lassen, denn sie muss nicht mehr so hart arbeiten; sie macht sich eine Schlumperwoche.
Foto: Martin Luther, Marienkirche zu Pirna; c/o Sylvia Koch
Die dörflichen Spinnstuben werden eröffnet. Hier treffen sich die Frauen und Mädchen an den langen, dunklen Winterabenden zu gemeinsamer Hand- und Putzarbeit. Vorteil ist, „Energie zu sparen“, denn es muss nur eine Stube beheizt und mit Kerzenlicht beleuchtet werden. Nebenbei wird gesungen und getratscht, gemunkelt und gekungelt. Das entspricht nichts anderem als einer Partnerbörse. Glücklich ist, wer den Heimweg mit der erwünschten Begleitung antreten darf.
Zur Begleichung der Pacht wird Vieh abgeliefert oder geschlachtet. Schlachtvieh ist, was nicht durch den bevorstehenden Winter gebracht werden kann, da es an ausreichendem Futter mangelt. Deshalb auch gibt es in dieser Zeit die meisten Schlachtfeste. Das Schlachten der Martini-Gans ist eben diesen Zwängen geopfert. Außerdem schmeckt sie jetzt am besten.
Das sechswöchige Adventfasten beginnt am Tag nach Martini, weshalb dieser Tag auch Adventfastnacht genannt wird. Wer Buß- und Fastenzeit streng nimmt, feiert, tanzt und heiratet nicht.
An Martini werden die Kinder mit Süßigkeiten beschenkt. Im Besonderen sind das Martini-Brezeln und -Wecken (Semmeln) in Form eines Mannes, des Weckmannes.
Mit den Laternenumzügen zu Ehren des Heiligen Martin beginnt eine Reihe von Lichtprozessionen, die durch die dunkle Jahreszeit hindurchführen und mit den Winter-Sonnenwendfeuern (um den 21. Dezember) enden.
Katharina – 25. November
Mit dem November endet die Weidezeit. In manchen Gegenden werden die Schafe geschoren. Der Namenstag Katharinas von Alexandria eröffnet die „engere“, besonders strenge, vorweihnachtliche Fastenzeit. „Sankt Kathrein packt die Geigen ein, stellt die Räder und das Tanzen ein.“
Bauernregel
- Wie das Wetter zu Kathrein, wird's den ganzen Winter sein.
Andreas – 30. November
Heute schließt sich der kirchliche Jahreskreislauf. Es werden allerlei abergläubisch unterlegte Rituale durchgeführt, um einen Blick in die eigene (Liebes-)Zukunft werfen zu können: Lichterschwimmen, Bleigießen, Orakel deuten. Abends bzw. nachts um 6, um 9 oder um 12 Uhr werden schweigend die Andreasreiser geschnitten: Zweige von sieben oder neun verschiedenen Obstbäumen oder Beerensträuchern. Dies muss heimlich geschehen, also: nicht erwischen lassen! Die Zweige werden in eine Vase gestellt. Drei Zweige werden mit je einem andersfarbenen Band umwunden, jedes Band steht für einen Wunsch. Blühen die bebänderten Zweige bis Weihnachten auf, geht der Wunsch in Erfüllung.
Bauernregel
- Andreas' Schnee tut Saaten weh.

Foto: Garten, Burg Gaillenreuth; c/o Sylvia Koch
Barbara – 4. Dezember
Barbaras Vater, entsetzt über ihr Bekenntnis zum Christentum, ließ sie ins Gefängnis werfen. Auf dem Weg dahin verfing sich ein Kirschzweig in Barbaras Haar. Sie stellte ihn ins Wasser, und nach einigen Tagen begann der Zweig, Blätter und Blüten zu treiben. Aus dieser Legende entsprang der Brauch, Anfang Dezember Zweige von Kirschbaum oder Forsythie in der warmen Wohnung austreiben zu lassen. Der Barbarastrauß steht als Symbol für etwas, das schon erloschen und tot schien und trotzdem schöner als zuvor wieder zu erblühen vermag.
Nikolaus – 6. Dezember
Seine Popularität verdankt Nikolaus zuallererst einer Untat: Seine Gebeine, einst in Kleinasien bestattet, wurden 1087 von süditalienischen Kaufleuten, Rittern oder Piraten – was damals mehr oder minder ein und dieselbe Branche war – gestohlen. War es das schlechte Gewissen, weshalb die Missetäter zu Nikolaus’ Ehren in Bari eine Basilika bauten? Jedenfalls sprechen Kirchenväter nun lieber von Entführung statt von Diebstahl. Damals wie heute gilt: Kirchenreliquien sind ein nicht unbeachtlicher Wirtschaftsfaktor! Weshalb sich jede Gemeinde freut, wenn Reliquien in ihr Kirchlein „gelangen“.
Dass der Nikolaustag ein Schenk- und Rügetag ist, zeigt sich im Erscheinen der mehr oder minder garstigen Gesellen, die Nikolaus begleiten. Während Nikolaus fürs Schenken zuständig ist, übernehmen seine mit Rute und Üblerem ausgerüsteten Begleiter das Rügen und Strafen. Als Rüpel bekannt und berüchtigt sind Pulterklas, Hans Muff/Hans Trapp, Belzebub, Ascheklas, Pelzebock, Pelzmärtel, Pelznikel (pelzen = schlagen, hauen), Klaubauf, Krampus, Leutfresser, Klötterjönken, Rauwuckel, Rumpelb(l)ass, Partl/Bartl (Bartholomäus), Butz, Pietermann, Klausmänneken, Schwarzkäsperchen, viele weitere und freilich auch Knecht Ruprecht selbst, welcher namentlich der Urahn aller Rüpel ist. In Rudeln erscheinen Buttnmanndln mit Tiermasken und rasselnd lärmenden Schellen oder die Gangerl mit ihren Felljacken und Tierhörnern auf dem Kopf. Sie alle verkörpern das Teuflische. Doch der gute Nikolaus hat sie, die Bösen, alle im Griff!
Kinder in Schlesien bekamen früher einen essbaren Krampus geschenkt. Das war ein Gebäck in Teufelsform, manchmal ein Früchtebrotpüppchen.

Und dann ist da noch die Sache mit den Stiefelchen, die Nikolaus des Nachts mit süßen Sachen füllt. In die Schuhe wurde vormals das Futter gesteckt für den Esel (Foto: c/o Sylvia Koch), den der Nikolaus mit sich führte. Zum Dank für das Futter erhielten die Kinder kleine Gaben. Danken wir dem „guten Mann“, dass die Kinder wenigstens einmal im Jahr ordentlich ihre Schuhe putzen. Denn eines wissen alle: der Nikolaus bestückt nur blank gewienerte Treter!
Bauernregel
- Regnet's an Sankt Nikolaus, wird der Winter streng und graus'.
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