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Österliches Brauchtum

Osterlachen

Zum Ostermontag hält der Pfarrer eine humorvolle Predigt. Gerne wird das Osterlachen, risus paschalis, genutzt, um satirisch oder ironisch, mit Witzen, Fabeln, Anekdoten und Reimen auf Missstände in der Gemeinde oder bei örtlichen Honoratioren hinzuweisen. Mitunter wird die Standpauke lieber als „Ostermärchen“ deklariert, wohl aus Vorsicht, die Kritik könnte zu unverblümt ausfallen. Hohe Zeit des Osterlachens war zwischen Barock und Aufklärung; inzwischen wird der Brauch in Deutschland wiederbelebt.

Eierfärben (mit Naturmitteln)

Ganz bewusst greifen wir zu natürlichen Farben, wohl wissend, dass die Ergebnis weniger farbkräftig ausfallen. Also tragen wir halt mehrere Farbschichten auf, die zwischenzeitlich antrocknen. Jede Farbe steht für bestimmte Charaktere.

  • gelb (Licht, Reife): Safran in heißem Wasser aufgelöst, Färberdistel, Birkenblätter, Kamillenblüten, Huflattichblüten, Rotbuschtee
  • orange (Feuer, Energie): mit zerstoßenem Samen des Orleanderstrauches, konzentrierter Rotbuschtee
  • rot (Liebe, Leidenschaft): ist die christliche Farbe an sich, denn sie symbolisiert den Kreuzestod Christi; Erdbeer-, Himbeer-, Rote-Bete-Saft, zerdrückte Cochenillelaus (sofern gerade zur Hand), Lackmuspulver in saurer Lösung
  • lila, violett (Macht und Magie): Blaubeer- mit Brombeersaft gemischt, Beerenfrüchtetee, Malvenblütenaufguss, Blaukrautsud
  • blau (Treue): Veilchensaft, Lackmuspulver in alkalischer Lösung, Indigo, Holundersaft
  • grün (Hoffnung): Brennnesselaufguss, Matetee, Grüntee
  • Orange, lila und grün lassen sich natürlich auch – frei nach und mittels Goethes Farbenkreis – ermischen.
  • Durch Verwenden der in diesem Zusammenhang viel gepriesenen Zwiebelschalen werden die Eier (rot)braun gefärbt, sie werden sehr schnell sehr dunkel.

Tipp: Die trockenen gefärbten Eier mit einem in Essig getränkten Tuch kurz feucht abtupfen. Der Essig fixiert die Farben.

Ostereier werden aber nicht nur gefärbt, sondern oft noch zusätzlich verziert, beschrieben, verkratzt, geätzt, bestickt, behäkelt, bemalt und beklebt. Besonders kunstfertig gestaltet sind sorbische Ostereier.

Bunte Glaskugeln

Ab dem 12. Jahrhundert wurden bunte venezianische Glaskugeln als Sonnensymbol am Heiligen Grab aufgesteckt. Davon abgeleitet finden sich heute in unseren Gärten die auf Stecken gepfropfte Glaskugeln.

Lämmchen

Lamm

In der religiösen Symbolik steht das Lamm (Foto: Sylvia Koch) für Reinheit, Unschuld, unschuldige Hingabe, Wehrlosigkeit und friedliche Lebensweise. Das Zeichen „A.D.“ auf geprägten Wachsscheiben und anderswo heißt „agnus dei“, Lamm Gottes.

Im Geschmack unterscheidet sich das Fleisch aufgrund Herkunft und Nahrungsaufnahme. D.h., wir schmecken es, ob das Lämmchen auf einer Weide, Kräuteralm oder auf der Salzwiese nahe der Küste aufgewachsen ist.

in Bayern: Oster-Oa scheibn

An einem nicht zu steilen Abhang werden zwei Rechen derart hingelegt, dass die nebeneinander liegenden Stiele eine Rollbahn für Eier bilden. Die beiden Harken müssen in entgegengesetzte Richtung zeigen. Dann lässt man, einander abwechselnd, die hartgekochten Ostereier die Rollbahn hinunterkullern. Im Auslauf bleiben die Eier liegen.

Worum es dabei geht? Um viel Spaß, und darum, wessen Eier am weitesten kullern oder wessen Eier unbeschadet bleiben, also nicht von den anderen Eiern aufgeschlagen werden und so die wenigsten Risse haben.

In Abwandlung ist dieses Spiel im gesamten deutschsprachigen Raum verbreitet, mancherorts sind spezielle Eierrutschen verbürgt. So spielen es Friesen als Eiertrüllen (rollen) oder Eiersmiten (schmeißen), in Schwaben heißt dieses Spiel Oierschucke. Beim sorbischen Waleien ist es wichtig, im Auslauf das Ei der Mitspieler anzustupsen.

Eiertupfen / -picken/-pecken / -titschen / -düpfen / -bikken / -dotzen

Ein altes (Kinder-)Spiel, bei dem zwei Spieler auf Geheiß je ein gekochtes Ei an den Enden gegeneinander schlagen. Die Kommandos lauten: „Spitz auf Spitz“, „Spitz auf Arsch“ oder „Arsch auf Arsch“. Wessen Eierschale eingedrückt wird, der muss das Ei seinem Gegenspieler abgeben. Sieger ist, wer die meisten Eier einheimst. Unlautere Drehs, dem Sieg nachzuhelfen, bestehen darin, die Eierspitzen zu präparieren, mit Holz-, Gips- oder Kunsteiern zu schummeln oder flotti-flink einen Finger zwischen die Eier zu mogeln.

Interessant ist, dass beim Gegeneinanderschlagen der Eier immer nur eins von beiden kaputt geht, nämlich das mit der etwas dünneren Schale. Und weil keiner genau vorhersagen kann, welches das ist, ist Eiertupfen ein reines Zufallsspiel.

Eierwettlauf

Hier geht es um Schnelligkeit und Geschicklichkeit. Denn die Wettläufer bekommen ein Ei mit auf den Weg, das auf einem Löffel balanciert, heil und so schnell wie möglich ins Ziel gebracht werden soll. Erschwernisse wie Hürden, Durchgänge und zu klein geratene Löffel steigern Spannung und Vergnügen.

Dieses Spiel ist inzwischen weniger ein rein österlicher Zeitvertreib, wird es doch ganzjährig bei Kindergeburtstagen, Stadt- und Landfesten veranstaltet. 

Osterfeuer und Osterräder

Das Abbrennen eines Feuers in der Nacht zum Ostersonntag und in der folgenden Nacht ist ein sehr alter Brauch. Gegen Abend trifft man sich zur Entzündung des Stapels aus Zweigen und Holzstücken, die über den Winter gesammelt wurden.
Das Osterfeuer soll den Winter und böse Hexen sowie Geister vertreiben. Oft werden auch Strohpuppen in der Mitte des Holzhaufens aufgestellt.
Der Schein des Osterfeuers bewahrte Mensch und Haus vor Krankheiten und Unheil. Wer den Feuerschein erblickt, dem soll er Glück bringen. Osterfeuer werden deshalb häufig auf Hügeln errichtet.
Ein weiterer Brauch ist es, am Ostersonntag Feuerräder einen Berg hinunter rollen zu lassen. Dafür werden am Karsamstag Wagenräder und Eisenreifen mit Stroh umwickelt. Am Ostersonntag wird auf einem Berg ein Reisigfeuer entfacht. Wenn es lodert, werden an ihm die Räder entzündet und ins Tal gerollt.

Osterfeuertragen/Osterfeuerlauf

In St. Peter im Schwarzwald sowie im bayrischen Benediktbeuern wird der Brauch des Osterfeuertragens gepflegt. Schon lange vor Ostern sammelt die Dorfjugend Baumschwämme und zieht diese auf Draht zum Trocknen auf. Nach dem Gottesdienst am Sonntag wird vor der Kirche das Osterfeuer entzündet. Die Schwämme werden ins Feuer gehalten, bis sie glimmen. Dann tragen die Burschen das Feuer in die Häuser, wozu sie Sprüche wie „Wir bringen das geweihte Feuer“ aufsagen. Die Hausleute brechen sich ein Stück vom Schwamm ab und legen es ins Herdfeuer. Die Feuerträger indes erhalten eine Belohnung.

In manchen bayrischen Orten geht das Fastengebot so weit, dass am Karfreitag gar das Herdfeuer erlischt. Erst am Ostersamstag, zum abendlichen Festgottesdienst, zünden sich die Gläubigen in der Kirche an der Osterkerze ihre eigene Kerze an, tragen sie nach Hause und entfachen dort wieder ein Herdfeuer.

Osterkrippe

Seit der Barockzeit sind Passionskrippen überliefert, die biblische Szenen, insbesondere natürlich das Leiden Christi veranschaulichen. Zwischenzeitlich fast vergessen, sind sie heutzutage wieder häufiger in den Kirchen anzutreffen. Sie sind ein erprobtes Mittel, vor allem Kindern die Ostergeschichte näher zu bringen. Häufige Themen von Osterkrippen sind die Kreuzigung und das Heilige Grab.

Ostereiersuchen

Beim Suchen der Ostereier war die Farbe nicht bedeutungslos. Zuerst ein blaues zu finden brachte Unglück, ein rotes Osterei dagegen drei Tage Glück.

Geweihte Ostereier amtieren oftmals als Glücksbringer. Beispielsweise werden sie im Acker vergraben, um eine gute Ernte zu wünschen. Oder es werden Schalen der geweihten Ostereier zusammen mit der Asche des Osterfeuers auf dem Feld ausgebracht.

Osterwasser

Dem Osterwasser wird heilende sowie glückbringende Wirkung nachgesagt. Es gilt als das Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit. Selbst dem Ostertau kommt besondere Bedeutung zu.
Früher wuschen die Frauen im fließenden Osterwasser gar ihre Wäsche.

Das Osterwasser wird schon früh am Sonntagmorgen von der Quelle geholt. Es fördert die Fruchtbarkeit, wenn es schweigend nach Hause gebracht wird. Was jedoch die Burschen des Ortes durch allerhand Streiche zu verhindern suchen.
Wasser, das in der Osternacht als Regen oder Schnee niederfällt, gilt als heilsam.

Osterbrunnen

Osterbrunnen 

Wasser war (und ist!) ein wertvolles Gut. Brunnen werden zum Osterfest geschmückt im Bewusstsein, welch große Bedeutung das Wasser für alles Leben hat, und aus Freude über die nun, nach der langen, winterlichen Eiszeit, wieder sprudelnden Quellen (Foto: Osterbrunnen in Bad Gögging; c/o Sylvia Koch). Diese Tradition wird besonders intensiv in der Fränkischen Schweiz gepflegt. Nach der winterbedingten Wassernot werden die Brunnen gereinigt und geschmückt mit Buchsbaumgirlanden, Blumen, bunt bemalten Ostereiern und Schmuckbändern.

Auf der Schwäbischen Alb wurde dieser Brauch inzwischen auch aufgenommen: in Schechingen (Ostalbkreis) beteiligt sich das ganze Dorf beim Schmücken des Brunnens.

 

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