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Ostern

Es ist Ostern. Das heißt: Wir feiern das Hochfest der christlichen Kirche, ihr Fest aller Feste.
Es ist weniger gefühlsbetont und idyllisch als die Weihnacht. Denn das Osterthema handelt von Tod und Auferstehung. Es ist tragisch in sich und deshalb nicht so gut zu vermitteln, zu greifen wie zu begreifen wie das familiäre Christfest. Jedoch, nur mit Ostern bekommt die Jesusgeschichte einen Sinn: Es geht um den Sieg des Lebens über den Tod, die Verwandlung von Leid in Glück.

Frühlingsblüher; c/o Sylvia Koch

Die etymologische Herkunft des Wortes Ostern ist umstritten. Die vielzitierte Frühlingsgöttin ostera lässt sich bislang nirgends beweisen. Sie wurde möglicherweise erst im Nachhinein herangezogen, um eine Herkunft zu (er-)finden. Was hingegen anzunehmen ist: Sprachgeschichtlich stammt Ostern wahrscheinlich von der griechischen Morgenröte Eos ab, welche altgermanisch austrô erscheint. Das klingt durchaus plausibel, wird doch in der Osternacht gebetet bis zum Morgenrot. Auch die Nähe zum slawischen utro, dem Morgen, sowie zur Himmelsrichtung Osten, wo bekanntlich die Sonne aufgeht, unterstützt diese These. Hierin ist sich die indoeuropäische Sprachenfamilie einig.

Die Osterfastenzeit dauert sechs Wochen, wobei jeder Woche eine besondere Bedeutung zukommt. Die ersten fünf Sonntage sind benannt nach den Anfangsworten des Stufengebets, des Eröffnungsverses der Messe. 

  1. Invocavit/Invocabit – lat.: er hat (mich) angerufen; Funken-, Scheibensonntag, Trommelfest in der Schweiz
  2. Reminiscere – lat.: gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit
  3. Oculi – lat.: meine Augen sind immer auf den Herrn gerichtet; Fastenmarktsonntag
  4. Laetare – lat.: freuet Euch mit Jerusalem; Mittefasten, Rosen-, Liebstattsonntag. Nachdem der erste Teil der Fastenzeit der Besinnung und Trauer galt, kann der Gläubige nun froh dem Palmsonntag entgegensehen.
  5. Judica – lat.: Gott, schaffe mir Recht; Erbsen-, Erster Passionssonntag; Verhüllung des Chorraumes mit Hungertüchern
  6. Palmarum – Palmsonntag; Weihe der Palmzweige. Dieser Tag erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, seinen Opfertod am Kreuz und die Erlösung. Palmblätter gelten deshalb als Siegeszeichen. Es finden Prozessionen statt. In unseren geografischen Breiten allerdings werden die Palmen durch Buchsbaum- und Weidenkätzchenzweige ersetzt, die mit Immergrün und Stechpalmenzweigen gebunden und mit roten Bändern und Schleifen verziert werden.

Christus mit Palmeselin, Esglesia de Sant Antoniet in Palm; c/o Sylvia Koch

Im Mittelalter führte eine Eselin die Prozession am Palmsonntag an. Auf ihr ritt ein als Christus gekleideter Geistlicher. Da Eseltieren jedoch jegliches Verständnis für religiöse Rituale abgeht, sie hingegen eine obligate, wenngleich kluge Sturheit besitzen, wurden sie alsbald durch ein fahrbares, hölzernes Gestell eselsgleicher Gestalt ersetzt. Warum dabei auch der Christusreiter einem unbelebten Gebilde weichen musste, ist nicht belegt. Ob nun aus Allotria oder eigenwilliger Frömmigkeit heraus: Die Eselin wurde in der Folgezeit mit mehr oder minder üppigem Blumenschmuck und Eierdekoration, auch mit Würsten und Backwerk geschmückt. Teils kam bedauerlicherweise auch die Christusfigur in dieser unbotmäßigen Dekoration daher. Da das Ergebnis dieser Mühen zu oft nicht mehr mit "künstlerischer Freiheit" entschuldigt werden konnte, das kuriose Ganze jedoch zu Unfug und Schelmenstreich ausartete, wurde die Lastenträgerin nun völlig von der Prozession ausgeschlossen. In nur wenigen Pfarreien blieb ein hölzernes Grautier erhalten, das sein Dasein zumeist aber im Verborgenen fristet.

Auch familiär ist uns ein Palmesel vertraut: Denn so wird gerne das Familienmitglied benamst, das am Ostersonntag morgens als letztes aus dem Bett findet.

Der Palmsonntag vor Ostern eröffnet die Kar-, die stille Trauerwoche. Die Wortsilbe Kar basiert sprachlich auf dem althochdeutschen Chara =  Sorge, Trauer, Leid, Klage. Auch daher ist uns Karges als Kümmerliches bekannt.

 

Die Karwoche:

gekreuzigt; c/o Sylvia Koch

  • Blauer Montag – Blau, die abgeschwächte Trauerfarbe, ist die in der Fastenzeit gebräuchliche Kirchenfarbe. Es werden Ornate in dieser Farbe getragen.
  • Gelber / Blauer / Schiefer Dienstag – Auch Eierdienstag genannt, denn heute dürfen Eierspeisen gegessen werden.
  • Weißer / Guter / Krummer / Schiefer Mittwoch, Platzmittwoch – Der Tag von Judas' Verrat gilt als Unglückstag. Obendrein ist die Wochenmitte, die Wotans Namen führt, heidnisch vorbelastet.
  • Grüner / Weißer / Hoher Donnerstag, Antlasstag – Ende der österlichen Fastenzeit; die ersten frischen, grünen Kräuter und Gemüse sind verfügbar und werden an diesem Tag zubereitet. Das Wort grün(en) lässt sich möglicherweise auch von grienen = greinen, weinen, trauern ableiten. Zeremoniell: In Anlehnung an die (während des letzten Abendmahls) von Jesus durchgeführte Fußwaschung bespritzen manche Pfarrer die Füße ihrer ältesten Gemeindemitglieder. Dieser Ritus allegorisiert Demut und Nächstenliebe.
  • Stiller / Hoher / Weiß- / Karfreitag – Der Tag der Kreuzigung Christi ist tieftrauriger Höhepunkt der Karwoche. Christen üben strenges Fasten an diesem Tag der Buße.
  • Kar- / Judas- / Färbersamstag, Großer Sonnabend – Tag der Grabesruhe. Die Trauer löst sich. Es ist Zeit, die Ostereier zu bemalen. Mit Anbruch der Dunkelheit beginnt die Osternacht. Der Karsamstag fällt wortwörtlich in die Karwoche, während der Ostersamstag am Ende der folgenden Woche liegt. Umgangssprachlich geht es mit diesen beiden Tagen allerdings munter durcheinander.
  • Ostersonntag – Wir gedenken der Auferstehung, sie ist Christi Sieg über den Tod. Die Osterkerze wird geweiht. In Vorzeiten begann das neue Kirchenjahr, weshalb erst jetzt die neue Jahreszahl auf die Kerze geschrieben wird.

Am Ostermontag beginnt die freudige Osterzeit, die sich fünfzig Tage lang bis Pfingsten erstrecken wird.

Ostern kulinarisch

Zu Tisch präsentiert sich Ostern in deutschen Landen ausgesprochen einheitlich. Es gibt Lämmchen, pikant gebraten oder biskuitsüß gebacken, Eier à la carte, Osterfladen, -zöpfe und -brote. Kaum jedoch sind regionalen Spezialitäten auszumachen. Grund dafür dürfte die herausragende österliche Symbolik – heidnisch mit christlich verschmolzen sein, welche sich auf die Speisenauswahl auswirkt.

Der Verzehr von Eiern unterliegt dem christlichen Fastengebot, denn sie gelten als flüssiges Fleisch. Daher stauten sich schon bei unseren Ahnen während der Fastenzeit die Eiervorräte allmählich auf. Fromme Anordnungen taugen halt nicht als Legeverbot für Hennen. Damit die Eier nicht verderben, werden sie hartgekocht. Praktischerweise in einem färbendem Pflanzensud. Gefärbt wurde ursprünglich nicht aus religiösen, gleich recht nicht aus künstlerischen Erwägungen, sondern um die farbigen, also gekochten, von den naturbelassenen rohen Eiern unterscheiden zu können.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich viele Ideen zum Abbau der Eiervorräte und zwar in kulinarischer Hinsicht wie auch für dekorative Zwecke. Schließlich ergibt sich alle Jahre wieder das selbe Eier-Dilemma: Zum Dekorieren brauchen wir nur die Eierschalen, die wir bemalen oder mit Backteig füllen. Dann stellt sich die Frage, wohin dem eiernen Inhalt? Zu Ostern selbst hingegen geht es darum, die Schwemme an hartgekochten Eiern zu verzehren.

Nun, neben bewährtem Spiegel-, Rühr- und Hartei bieten sich Eieraufläufe an.

Süßer Eierauflauf: 4-6 rohe Eier werden schaumig aufgeschlagen, mit einer Prise Salz und etwas Zucker gewürzt. Nach Geschmack Zimt, Vanille oder Kardamom dazugeben. Die Eiermasse in eine sehr gut gefettete Auflaufform geben und im Wasserbad ca. 20 Minuten bei 100 °C im Backofen backen. Heiß oder kalt servieren mit Puderzucker, Obstsalat oder Fruchtmus.

Pikanter Eierauflauf: Hartgekochte Eier pellen und in Scheiben schneiden. Pro Ei ca. 100 g Gemüse (z.B. Paprika, Zucchini oder Karotten) oder gekochte Kartoffeln schnippeln. Eier und Gemüse abwechselnd in eine gefettete Auflaufform schichten. Wer mag, fügt Schinken oder Speck hinzu. Milch mit einem Ei, Pfeffer, Salz und Muskat verquirlen, über die Auflaufmasse geben. Für 30 Minuten in den auf 180 °C vorgewärmten Ofen stellen. Kurz vor Ende der Backzeit mit geriebenem Käse bestreuen.

Senfeiertopf: Eine helle Mehlschwitze aus 4 TL Butter und 4 gehäuften EL Mehl bereiten. Mit 500 ml Gemüsebrühe ablöschen. Diese Tunke gut durchkochen. 2-4 gekochte Kartoffeln in Würfel, 4 Gewürzgurken in feine Streifchen, 8 gekochte Eier in Scheiben schneiden. Alles zur Tunke geben. Mit Salz und Pfeffer würzen. Etwas Gurkensud zugeben, bis die Tunke eine suppige Konsistenz hat. Zuletzt 2 TL Bautzner Senf mit etwas Kondensmilch glattrühren, in die Suppe untermischen. Nicht mehr aufkochen!

Weitere Vorschläge:

  • Eierfrikassee (gekochte, klein geschnittene Eier in einer pikanten Béchamelsoße)
  • pochiert: Verlorene Eier
  • Russische Eier mit Senfsoße
  • Eiersalat
  • selbstgemachte Nudeln

Nebenbei bleiben jetzt Unmengen von Eierschalen übrig. Diese sind ein ganz außerordentliches, weil wirkungsvolles Mittel, Schnecken abzuwehren. Wir legen die grob zerbrochenen Schalen dicht an dicht entlang der Beetränder aus. Zerbrochene Muscheln – falls grad zur Hand – tun es übrigens auch. Denn scharfkantige Bruchstücke schrecken Schnecken ab, sich daran ihre Kriechsohle aufzuschneiden.

 

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