Zur Kirchweih gehört gutes Essen. Es werden Kirchweihgänse und -enten aufgetischt. Natürlich mit Knödeln/Klößen und Blaukraut/Rotkohl.
Zum Dessert oder Nachmittagskaffee gibt es dann Kirmeskuchen, Beereflare (ein Birnenmushefekuchen – im Hunsrück), Birrebunnes (ein Hefekuchen mit einem Mus aus Dörrbirnen – in der Eifel) oder Kirtanudeln.
Beim Kirchweih-Schmalzgebäck scheiden sich getaufte Geister:
Bayrische (katholische) Auszogne / Ausgezogene, in Franken Knieküchle, in Thüringen Kniekäulchen genannt, sind runde, fladenartige Hefeteiglinge, die von innen nach außen gezogen werden, so dass sie einen dicken Rand bekommen. In der Mitte entsteht eine Scheibe, die so dünn sein soll, dass man hindurchschauen kann, die aber auch noch dick genug ist, dass sie nicht reißt. Damit dies gelingt, wird der Teigfladen über das Knie der Bäckerin gelegt und nach außen ausgezogen. Dieses Auseinanderziehen gelingt sicher einer tüchtigen katholischen Gläubigen, schließlich ist ihr Knie vom Beugen im Gottesdienst genau richtig geformt für diesen Zweck. Da Protestanten diese Fähigkeit nicht trainieren, rädeln sie ihre Kirchweihnudeln einfach als Vierecke aus. Die Teigzubereitung ähnelt der katholischen, nur dass dieser recht fest und nur mit Milch statt Sauerrahm geknetet wird. Vielen Dank an meine Kollegin Annette, die uns auf die Spur der Badischen Luftkissele (s.u.) brachte.

Foto: Herbststimmung auf der Seiser Alm; c/o Sylvia Koch
Im Chiemgau muss die Bäuerin sich sputen, ihr Kirchweihgebäck soll bis Mitternacht fertig gebacken sein. Ansonsten hat sie jedem, der sich mit einer Heugabel bewaffnet vor ihrem Küchenfenster postiert, die Zinken der Gabel mit einem frischen Backwerk zu verzieren. Diese Bäuerin wird möglicherweise gar nie fertig werden mit der Backerei ...
Rezepte zur Kirchweih
Kirmeskuchen
Einen Hefeteig aus 500 g Mehl, 30 g frischer Hefe, ca. ¼ l warmer Milch, 150 g Butter, 150 g Zucker und 1 Prise Salz kneten, zwei Mal gut gehen lassen, ausrollen und ein großes Blech mit Rand auslegen. Quarkmasse aus 1 kg Quark, 100 g Butter, 200 g Zucker, 3 Eier, 1 Prise Salz, 50 g Stärkemehl und abgeriebener Zitronenschale zubereiten, auf dem Hefeboden verteilen.
2 Eier mit 80 g Zucker, 3 EL Rum und 60 g zerlassener ausgekühlter Butter verrühren; diesen Brei auf dem Quark verteilen. Zuletzt Streusel aus 200 g Mehl, 100 g Zucker, 125 g Butter und 1 EL (Raps-)Öl kneten und auf dem Kuchen verkrümeln. Bei 200 °C ca. vierzig Minuten backen.
Luftkissele
Einen Hefeteig aus 500 g Mehl, 30 g frischer Hefe, ca. ¼ l warmer Milch, 150 ml Sauerrahm, 50 g Zucker und 1 Prise Salz kneten, gut gehen lassen. Den Teig ca. 5 mm dick ausrollen und mit einem Wellenrädchen 6 x 4 cm große Rechtecke ausschneiden. Die Rechtecke in heißem Fett ausbacken.
Dieses Gebäck schmeckt etwas anders, ist nicht so süß wie die Knieküchlein. Wer es süßer will, gibt entsprechend mehr Zucker in den Teig oder bestäubt die Teile nach dem Backen mit Puderzucker. Dann wird halt aus dem Luftkissen ganz schnell ein süßes Luftküsschen.
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