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Silvester in aller Welt

Andere Länder – andere Sitten. Dennoch scheint es ein menschliches Bedürfnis zu sein, im sich neigenden Jahr ein letztes Mal über die Stränge schlagen zu wollen und aus wundersamen Zeichen heraus die Zukunft voraussehen zu können.

 

Silvester verheißungsvoll; c/o Sylvia Koch

 

 

Argentinien: Alte Papiere, auch Akten, Rechnungen und ähnliche Unterlagen werden geschreddert und, quasi als Schnee-Ersatz, den vier Windrichtungen überlassen.

 

Brasilien: Weiße Kleidung zieht Glück und Frieden an. Blumen werden ins Meer geworfen und Kerzen am Strand angezündet. Rote Kerzen leuchten für die Liebe, gelbe für Reichtum und weiße für Frieden.

 

Chile: Die Chilenin verführt mit roten Dessous zu Leidenschaft und Liebesglück. Wer noch auf der Suche ist, begeht die Silvesternacht in rosafarbener Unterwäsche. Gelbe Reize unterstützen denjenigen, der mehr auf monetäre Ziele aus ist.

 

Dänemark: Feuerwerk-Fans kommen hier auf ihre Kosten – laut, lauter, dänisch. Zwischendurch stärken Dänen sich mit Dorsch und Baumkuchen. 

 

Ecuador: Aus Sägemehl werden große Puppen gebastelt, die, mit Stoffresten bekleidet, weniger rühmliche Personen des Zeitgeschehens darstellen. Die Puppen und mit ihnen alles Schlechte, das sie im letzten Jahr verzapften, werden um Mitternacht mit Feuerwerkskörpern angezündet. Das macht Platz für Neues, hoffentlich Besseres.

 

England: Hier gehören Mince Pies zum gegebenen Anlass. Das sind kleine Törtchen, die mit Trockenfrüchten und Nüssen gefüllt und mit Zimt und Muskat gewürzt sind.

 

Frankreich: Es gibt keine Knallerei, kein Feuerwerk, aber ausgelassenes Feiern in den Straßen, an und auf der Seine und anderen Flüssen. Franzosen treffen sich, um fein zu speisen: Austern und Gänsestopfleber. Aufs neue Jahr angestoßen wird natürlich mit Champagner. Küsse unter Stechpalmenzweigen verheißen viel Glück.

 

Griechenland: Wer im Basiliusbrot eine Münze findet, dem lacht das Glück. Das Basiliusbrot ist ein Hefeteigbackwerk mit Anis, Sesam, Orangeade oder Mandeln.

 

Israel: Wer das neue Jahr mit Äpfeln und Honig beginnt, erhofft sich ein süßes Jahr.

 

Italien: Rote Unterwäsche stimuliert Glück und mehr …. Geld verspricht sich, wer rotes Fleisch und Gemüse verspeist. Beliebt sind Schweinswürstchen und -füße mit Linsen. Denn auch hier werden die Hülsenfrüchte mit viel Kleingeld in Verbindung gebracht. Besonders lautes Getöse samt Knallerei ist Pflicht. In manchen Gegenden wird alte Kleidung zum Fenster hinaus entsorgt.

 

Japan: Mit einem großen Hausputz werden alle bösen Geister vertrieben. Zur Mitternacht von Omisoka ertönen von allen Tempeln 108 Glockenschläge, die an 108 Sünden, Begierden und Laster mahnen. Doch ist dies nur der Anfang, denn auch in den folgenden Tagen werden die Menschen zu den Tempeln strömen und beten. Ab Neujahr gibt es in den Geschäften Fukubukuro, eine glücklich machende Wundertüte, zu kaufen. Deren Inhalt ist vorab nicht ersichtlich, indes sollte sie wertmäßig mehr enthalten als sie kostet. Und auch wenn etwas Unbrauchbares drin sein mag, erfreut und beglückt Fukubukuro die Japaner. 

 

Österreich: Die Pummerin läutet in Wien. Dieweil sie als Glocke dazu berufen ist. Untereinander schenkt man sich bevorzugt Glücksschweinderln, aber auch Kleeblätter und Schornsteinfeger.

 

Russland: Mit Silvester beginnt für Väterchen Frost die Hochsaison. Bis zum 7. Januar, dem russischen Neujahrsfest, befindet er sich im Dauereinsatz. Diese Strapazen bewältigt er freilich nur kraft reichlich bemessener Wodka-Rationen. Da Russland so riesengroß ist, dass es sich über mehrere Zeitzonen erstreckt, muss Väterchen Frost in dieser Nacht des Öfteren, ja immer wieder, immer wieder auf das neue Jahr anstoßen. Was für ein Kraftakt!

 

Schottland: Feuerfeste kündigen in den Dörfern das neue Jahr an, mancherorts werden Feuerbälle geworfen. Fürs Kommende stärken Hot Pints, ein Whisky-Starkbier-Eier-Punsch, und Haggis, die mit Gehacktem und Innereien gefüllten Schafsmägen. Obendrein gibt es überbackenen Früchtekuchen.

 

Schweiz: Böllerei muss sein, dazu verkleidete Dämonen, die den Krach musikalisch mit Kuhglockengeläut und Gejo(d)le begleiten.

Feuerwerk; c/o Sylvia Koch

   

Feuerwerk; c/o Sylvia Koch

   

Feuerwerk; c/o Sylvia Koch

 

 

Silvester-Feuerwerk

Fotos: c/o Sylvia Koch

 

 

Spanien: Zum Mitternachtsgeläut wird pro Stundenschlag eilends, quasi mit Karacho, eine Weintraube gegessen und dabei ein Herzenswunsch gemurmelt. Da sich die Spanier alsdann umarmen und abbusseln, fällt dieses Ritual möglicherweise recht feucht aus. Macht nichts. Denn wichtiger ist, die Trauben spornstreichs wegzuschlecken, ansonsten droht Ungemach. Ebenso unglücklich wird, wer nicht genau 12 Stück vernascht. Deshalb gibt es bei findigen Geschäftsleuten kleine Dosen mit abgezählt 12 Beeren zu kaufen. Tolle Regelung: Fällt der feiertägliche Neujahrstag auf einen Sonntag, gibt es den folgenden Montag gratis als arbeitsfreien Tag dazu.

 

Tschechien: Kein Silvester ohne Karpfen! Wird eine seiner Schuppen im Portemonnaie verwahrt, bewahrt sie im kommenden Jahr vor Ebbe in demselben. Vorbeugend gegen letzteres wird außerdem um Mitternacht eine Suppe aus Hülsenfrüchten gereicht. Ein Blick in ein Apfelgehäuse offenbart die Zukunft. Dazu wird ein Apfel halbiert und die Anordnung der Kerne gedeutet: Bilden die Kerne einen Stern, verheißen sie Glück.

 

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