
Foto: Herbststimmung im Augustinerstift Vahrn; c/o Sylvia Koch
Am 2. November, dem Tag nach Allerheiligen, wird Allerseelen begangen. Die katholische Kirche gedenkt der Verstorbenen, deren (arme) Seelen noch im Fegefeuer schmoren und für diesen einen Tag auf die Erde zurückkehren, um auszuruhen. Wir erinnern uns der Normalsterblichen.
Im Fegefeuer sollen die Seelen der Verstorbenen gereinigt werden. Gebete, Opfergaben und gute Taten der Überlebenden können die Seelen erlösen.
Das protestantische Pendant zum katholischen Allerseelentag ist der Ewigkeitssonntag, zelebriert am Sonntag vor dem 1. Advent.
An diesem letzten Sonntag vor dem Advent begehen Katholiken wiederum das Christkönigsfest (= Christkönigssonntag).
Mit der ersten Adventswoche beginnt das (katholische und evangelische) Kirchenjahr.
In Bayern gibt es an Allerseelen den Seelenzopf. Das ist ein Gebildbrot aus süßem Roggenmehlhefeteig, das, grad heiß aus dem Backofen kommend, mit Honig bestrichen und gehackten Mandeln bestreut wird. Wieviel an Opulenz, also an Honig, Mandeln, Nüssen und Rosinen zum Seelenzopf gehört, ist eine Frage der Einstellung oder des Glaubens. Aber dass der Hefeteig zum Zopf geflochten wird, ist wichtig. Stellt doch der Zopf an sich das Opfersymbol dar. Ursprünglich schnitten sich die Frauen beim Tode des Gemahls ihre langen Haare ab, sie opferten ihren Zopf. Später dann ersetzte das Gebildbrot das Haaropfer.
Schwäbische Kinder bekommen eine Säle (Seele), ein Gebäckstück, dessen Form und Geschmack der Bäcker gestaltet, halt so, wie er sich die Seele vorstellt. Wie genau sie aussieht, weiß nun mal keiner.
Weitere Opfergebäcke zu Allerseelen sind die Seelennudeln, -wecken und -brezeln.
Mit Seelengebäcken wurden früher arme Leute, Dienstboten und Kinder beschenkt, um sie zu mahnen, an die armen Seelen im Fegefeuer und an ihr eigenes Seelenheil zu denken. Letzteres taten auch die Schenkenden, indem sie Seelenzöpfe verteilten.

Foto: Kreuzgang im Augustinerstift Vahrn/Brixen; c/o Sylvia Koch
Bauernregeln
- Hat Allerheiligen Sonnenschein, wird St. Martin kälter sein.
- Bringt Allerheiligen einen Winter, so bringt Martini einen Sommer.
- Ist Allerseelen kalt und klar, wird an Weihnacht alles starr.
- Hat St. Martin Sonnenschein, tritt ein kalter Winter ein.
- Baumblüte im November gar, noch nie ein gutes Zeichen war.
- November tritt oft hart herein, muss nicht viel dahinter sein.