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Traditionell ist es Aufgabe der Bäuerinnen, die Kräuter für Maria Himmelfahrt zu sammeln und zu bündeln. Die Bündel, in Süddeutschland Buschen genannt, enthalten immer eine magische Anzahl verschiedener Kräuter: Es sind 7er, 9er, 12er, 15er, 19er, 24er, 72er und 77er Buschen. In alter Zeit gab es sogar 99er Buschen – doch wer kennt, sucht und findet heute noch so viele Kräuter? Die Kräuterbunde werden in der Kirche geweiht, getrocknet und dann aufgehängt im häuslichen Herrgottswinkel, über Türen, unterm Dach des Hauses, des Stalls oder der Scheune. Oder als Tee aufgebrüht. All das ist verbunden mit Gebeten und Wünschen für Gesundheit, Wohlergehen und Freude. Unbedingt sollten wenigstens 7 der folgenden Kräutlein eingebunden sein: Baldrian, Beifuß, Eisenkraut, Holunder, Johanniskraut, Kamille, Liebstöckel, Pfefferminze, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Thymian und Wermut. Tabu sind Pflanzen, die (inzwischen) unter Naturschutz stehen!
Kleine Maria-Himmelfahrt-Kräuterkunde - Baldrian – gegen Schlafstörungen; sedativ und entkrampfend
- Beifuß – bei Verdauungsstörungen, Gastritis
- Dill – verdauungsfördernd, entkrampfend
- Eisenkraut – bei Rheuma, Magen- und Leberleiden; fiebersenkend
- Fenchel – gegen Husten, Magenverstimmung; antibakteriell
- Grüne Minze/Krauseminze – ätherische Öle
- Holunder – bei Erkältung, Husten; schweißtreibend
- Hopfen – bei Schlafstörungen, nervöse Spannungen; enthält Phytoöstrogen; abschwellend
- Johanniskraut – bei Depressionen, Nervosität; beruhigend, krampflösend, wundheilend
- Kamille – gegen Entzündungen; ätherische Öle; verdauungsfördernd, beruhigend, leicht sedativ
- Liebstöckel – verdauungsfördernd
- Majoran/Oregano – gegen Zahnschmerzen, Schwangerschaftsübelkeit; schleimlösend, entkrampfend verdauungsfördernd
- Malve – schleimlösend, fiebersenkend
- Pfefferminze – bei Magen- und Darmbeschwerden, Kopf- und Zahnschmerzen; konzentrationsfördernd, erfrischend, antiseptisch, appetitanregend, verdauungsfördernd
- Ringelblume – bei Magenbeschwerden, Wundbrand/Verbrennungen, Hautirritationen, Gastritis; krampflösend, antiseptisch, wundheilend, entzündungshemmend
- Salbei – gegen Heiserkeit, Halsschmerzen, Leberleiden, Depressionen, Nervosität; entzündungshemmend, entkrampfend, desinfizierend, schweißhemmend
- Schafgarbe – bei Rheuma, Zahnschmerzen; fiebersenkend, blutstillend, entzündungshemmend, krampflösend
- Tausendgüldenkraut – bei Hauterkrankungen, Sodbrennen, Verdauungs-, Leber- und Gallenstörungen; Bittermittel
- Wermut – bei Magen-, Galle-, Darmbeschwerden
- Thymian – bei Verdauungsstörungen, Atemwegserkrankungen, Husten; schleim- und krampflösend, antiseptisch
- Ysop – gegen Husten, Halsentzündung, Insektenstiche, Verbrennungen; schleimlösend
- Zitronenmelisse – bei nervösen Beschwerden
 Dekorativ zwischen die Kräuter gesteckt werden: Rosen und andere Blüten (Foto: Mohnblume; c/o Sylvia Koch), Sonnenblumen, Farne, Getreideähren, Zweige vom Vogelbeerbaum (Eberesche). Den Mittelpunkt bildet oftmals eine Königskerze (Wetterkerze/Muttergotteskerze) oder zwei Rohrkolben (als Sinnbild des Zepters). Neben der volksmedizinischen Bedeutung der Kräuter stehen die Pflanzen symbolisch für Charaktere und Tugenden, die sie bestärken sollen: - Alant → Schutz
- Beinwell → Stärke
- Eisenkraut → Mut und Tapferkeit
- Getreidehalme → Wohlstand
- Klee → Jugendlichkeit
- Königskerze → Lebenskraf
- Minze, Johanniskrau → Harmonie und Schöpferkraft
- Ringelblume, Sonnenhut → Widerstandskraft, Gesundheit
- Rosmarin → Herzlichkeit
- Vogelbeere → Geisterabwehr
- Weidenröschen → Schönheit
- Wermut → innere Stärke
Aus frischem Kraute zubereitet
Gemüsekaltschale (Gazpacho) mit Kräutern: Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Gurke und anderes Gemüse nach Geschmack klein schneiden, ein Viertel der Menge beiseite stellen, den Rest pürieren. Das Püree mit Salz, Pfeffer, Balsamicoessig, Knoblauch und Tomatenmark abschmecken, dann im Kühlschrank kühl stellen. Kurz vor dem Servieren frisch gehackte Kräuter in die Suppe geben. Beim Auftragen wird das übrige kleingeschnittene Gemüse auf die Teller gestreut. Kräuterbrot: Aus 500 g griffigem Weizenmehl, je ½ TL Zucker und Salz, etwas Öl, 2 EL Butter, ¼ l warme Milch und 40 g Frischhefe einen Knetteig bereiten, an einem warmen Ort vierzig Minuten gehen lassen. Dann nochmals durchkneten, 2-3 EL Kräuter, z.B. Anis und Koriander, Kümmel, Rosmarin oder Fenchel, zugeben. Teig zum Laib formen oder in eine Brotbackform geben, nochmals eine Stunde gehen lassen. Ca. fünfzig Minuten bei 200 °C backen. Erdbeer-Minze-Sekt: Erdbeeren und Pfefferminzblättchen im Mixer pürieren, portioniert in Sektgläser geben und vorsichtig mit Sekt auffüllen.
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