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Maria Kräutlein

Traditionell ist es Aufgabe der Bäuerin, die Kräuter für Maria Himmelfahrt zu sammeln und zu bündeln. Die Bunde, in Süddeutschland Buschen genannt, enthalten immer eine bestimmte Anzahl verschiedener Pflanzen. Es sind magische Zahlen und deshalb sind 7er, 9er, 12er, 15er, 19er, 24er, 72er und 77er Buschen üblich. In alter Zeit gab es sogar 99er Bündel – doch wer kennt, sucht und findet heute noch so viele Kräuter?

Mohnblüte; c/o Sylvia Koch

Die Kräuterbunde werden in der Kirche geweiht, danach getrocknet und aufgehängt im häuslichen Herrgottswinkel, über Türen oder unterm Dach des Anwesens. Sie dienen dazu, Stall und Scheune auszuräuchern. Oder die Kräuter werden zum Tee gebrüht. All dies Tun ist verbunden mit Gebeten und Wünschen für Gesundheit, Wohlergehen und Freude.

Wenigstens 7 der folgenden Gewächse sollten eingebunden sein: Baldrian, Beifuß, Eisenkraut, Holunder, Johanniskraut, Kamille, Liebstöckel, Pfefferminze, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Thymian und Wermut. Heutzutage tabu sind Pflanzen, die – inzwischen – unter Naturschutz stehen! 

Kleine Kräuterkunde zu Maria Himmelfahrt

Die Pflanzen und wann bzw. wozu sie eingesetzt werden:

  • Baldrian – gegen Schlafstörungen; sedativ und entkrampfend
  • Beifuß – bei Verdauungsstörungen, Gastritis; beruhigend, desinfizierend
  • Dill – verdauungsfördernd, entkrampfend
  • Eisenkraut – bei Rheuma, Magen- und Leberleiden; fiebersenkend
  • Fenchel – gegen Husten, Magenverstimmung; antibakteriell
  • Grüne Minze/Krauseminze – ätherische Öle gegen Migräne
  • Haselnuss – nahrhaft, nervenstärkend
  • Holunder – bei Erkältung, Husten; schweißtreibend
  • Hopfen – bei Schlafstörungen, nervöse Spannungen; enthält Phytoöstrogen; abschwellend
  • Johanniskraut – bei Depression, Nervosität; beruhigend, krampflösend, wundheilend
  • Kamille – gegen Entzündungen; ätherische Öle; verdauungsfördernd, beruhigend, leicht sedativ
  • Liebstöckel – verdauungsfördernd
  • Majoran/Oregano – gegen Zahnschmerzen, Schwangerschaftsübelkeit; schleimlösend, entkrampfend, verdauungsfördernd
  • Malve – schleimlösend, fiebersenkend
  • Pfefferminze – bei Magen- und Darmbeschwerden, Kopf- und Zahnschmerzen; konzentrationsfördernd, erfrischend, antiseptisch, appetitanregend, verdauungsfördernd
  • Ringelblume – bei Magenbeschwerden, Wundbrand/Verbrennungen, Hautirritation, Gastritis; krampflösend, antiseptisch, wundheilend, entzündungshemmend
  • Salbei – gegen Heiserkeit, Halsschmerzen, Leberleiden, Depression, Nervosität; entzündungshemmend, entkrampfend, desinfizierend, schweißhemmend
  • Schafgarbe – bei Rheuma, Zahnschmerzen; fiebersenkend, blutstillend, entzündungshemmend, krampflösend
  • Tausendgüldenkraut – bei Hauterkrankungen, Sodbrennen, Bittermittel bei Verdauungs-, Leber- und Gallenstörungen
  • Wermut – bei Magen-, Galle-, Darmbeschwerden
  • Thymian – bei Verdauungsstörungen, Atemwegserkrankungen, Husten; schleim- und krampflösend, antiseptisch
  • Ysop – gegen Husten, Halsentzündung, Insektenstich, Verbrennung; schleimlösend
  • Zitronenmelisse – bei nervösen Beschwerden

Dekorativ zwischen die Kräuter gesteckt werden Rosen und andere Blüten sowie Sonnenblumen, Farne, Getreideähren und Zweige vom Vogelbeerbaum (Eberesche). Den Mittelpunkt bildet eine Königskerze alias Wetter- sowie Muttergotteskerze oder zwei Rohrkolben. Sie versinnbildlichen das Zepter der Gottesmutter.

 

Königskerze; c/o Sylvia Koch

Neben der volksmedizinischen Bedeutung, welche den Kräutern zukommt, stehen die Pflanzen symbolisch für Charaktere und Kräfte sowie für Tugenden:

  • Alant → Licht, Heilung
  • Beifuß → Schutz
  • Beinwell → Stärke
  • Eisenkraut → Mut und Tapferkeit; Glück
  • Getreidehalme → Wohlstand
  • Haselnuss → Fruchtbarkeit
  • Johanniskraut → Harmonie
  • Klee → Jugendlichkeit
  • Königskerze (s. Foto) → Lebenskraft
  • Minze → Schöpferkraft
  • Ringelblume, Sonnenhut → Widerstandskraft
  • Rosmarin → Herzlichkeit
  • Vogelbeere → Geisterabwehr
  • Weidenröschen → Schönheit
  • Wermut → innere Stärke

Aus frischen Kräutern zubereitet

Gemüsekaltschale (Gazpacho) mit Kräutern: Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Gurke oder anderes Gemüse klein schneiden. Ein Viertel der Menge beiseite stellen, den Rest pürieren. Die Suppe mit Salz, Pfeffer, Balsamicoessig, Knoblauch und Tomatenmark abschmecken, kühl stellen. Kurz vor dem Servieren frisch gehackte Kräuter in die Kaltschale geben. Beim Auftragen wird das übrige kleingeschnittene Gemüse auf die Teller gestreut.

Kräuterbrot: Aus 500 g griffigem Weizenmehl, je ½ TL Zucker und Salz, etwas Öl, 2 EL Butter, ¼ l warme Milch und 40 g Frischhefe einen Knetteig bereiten, an einem warmen Ort 40 Minuten gehen lassen. Dann nochmals durchkneten, 2-3 EL Kräuter, z.B. Anis und Koriander, Kümmel, Rosmarin oder Fenchel, zugeben. Teig zum Laib formen oder in eine Brotbackform geben, nochmals eine Stunde gehen lassen. Ca. 50 Minuten bei 200 °C backen.

Kräuterbutter: Verschiedene Kräuter, beispielsweise Petersilie, Dill, Schnittlauch, Gänseblümchen, Thymian, Rosmarin, putzen und hacken. Eine Knoblauchzehe sanft anrösten, dann das äußere Häutchen abziehen. Zerdrückten Knoblauch mit 8 EL Kräutern unter 250 g weiche Butter mischen. Kräuterbutter zu einer Rolle formen und in eine Folie wickeln. Kühl stellen.

Erdbeer-Minze-Sekt: Geputzte Erdbeeren und Pfefferminzblättchen im Mixer pürieren, portioniert in Sektgläser geben und vorsichtig mit Sekt auffüllen.

 

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