• Karneval im Rheinland (carne vale = Fleisch wegnehmen / ohne Fleisch / Fleisch adé, Lebewohl)
  • Fastnacht in Mainz, Fasnacht in der Schweiz, Fasnet/Fasnecht im Schwäbisch-Alemannischen, Fasse in Frankfurt/Main, Foosernachd in Franken, Fastelabend in Pommern (vastnacht = Vorabend des Fasttages, Nacht zum Aschermittwoch)
  • Fasching in Süd- und Südostdeutschland (vaschanc/vastschang = Ausschank des Fastentrunks; Zechen vor dem Fasten)

Viele Namen und Deutungen = eine Narretei und die Gelegenheit, einmal im Jahr so richtig auf die Pauke zu hauen, sich zu verkleiden, sich unter Masken versteckt über Obrigkeiten und Mitmenschen lustig zu machen. Dazu gehört auch, noch einmal ausgiebig zu schlemmen vor der Fastenzeit.

Der Fasching ist eine „Erfindung“ des Christentums. Heiden hatten um diese Zeit anderes zu tun, nämlich recht übermütig den Winter auszutreiben und zu besiegen. Das dabei zelebrierte Lärmbrauchtum mit und ohne Mummenschanz überlagerte sich dann recht glücklich mit dem einen oder anderen Karnevalsritus.

Narrenpossen wurden durch die katholische Obrigkeiten zu fast allen Zeiten ausdrücklich gefördert, wenngleich die Sittenstrenge dabei niemals nachlassen durfte. Einmal im Jahr war es geboten, das Diesseits mit all seinen Vergänglichkeiten zu spüren. Wichtig war das Ausleben der verkehrten Welt als „Was-wäre-wenn-Spiel“: Knechte spielten Herrschaft, Geistliche den Teufel, Gelehrte den Hanswurst, Schelme gingen als Ritter, Nonnen und Mönche verkleideten sich als Unchristliche. Daher finden sich noch immer in jedem Faschingsfundus Turbane, asiatische Strohhüte und Fezkappen sowie indianischer Federschmuck mitsamt der dazu gehörigen Staffage. Auch wenn sich die Kostümmoden immer wieder wandeln – am beliebtesten bleiben die Gewänder der Bösen und Gesetzlosen, der Ausgestoßenen und Verfolgten.

Evangelischen Christen liegt weniger an der Tollerei, meist wurde sie glatt verpönt. Vor diesem religiösen Hintergrund erschließt sich auch die geografische Verteilung der Narrenhochburgen: je strenger katholisch, desto karnevalistischer. Das trifft nicht nur auf Deutschland zu. Wenn wir uns anschauen, wo in der Welt ausgiebig Karneval zelebriert wird, erkennen wir, dass er unbedingt ein katholischer Exportschlager ist.

Faschingsbräuche unterscheiden sich in der Art des Feierns, des Maskierens und des Schabernacks. Darin, ob Umzüge auf Straßen, Prunksitzungen oder Tanzbälle stattfinden, und auch in der Dauer der tollen Tage.

Mancherorts beginnt die Faschingszeit am magischen 11.11./Elften-Elften. Die Zahl 11 ist bedeutungsschwer mit der närrischen Zeit verwoben. So wie die beiden Einsen einander gleichen, symbolisiert die Elf die Gleichheit aller Narren. In der christlichen Religion verweist die Elf auf Sündhaftes. Es gibt zehn Gebote und das dekadische Zahlensystem stützt sich auf die Zehn. Elf steht dann für Überschreitung oder Überzähligkeit. Wenn die Uhrzeiger auf 11 Uhr 11 stehen, zeigen sie ein schiefes, versch(r)obenes Viertelsegment. Später dann wurden in Verspottung der Französischen Revolution deren Schlagworte Egalité, Liberté und Fraternité auf ELF reduziert. Und so müssen auch heute immer wieder die drei Buchstaben für Anspielungen auf den aktuellen Zeitgeist herhalten.

An Martini, dem 11.11., begann vormals die vorweihnachtliche Fastenzeit, weshalb es hier wie an Fasching noch mal ausgiebig zu schlemmen und zu feiern galt. Alemannischstämmige und Österreicher beginnen die Fünfte Jahreszeit am 6. Januar (Großneujahr). Beim Dreikönigsmahl wurde etwa ab dem 13. Jahrhundert per Los der „Freudenkönig“ bestimmt. Dieser scharte alsbald einen ganzen närrischen Hofstaat um sich. Das Los versteckte sich als Bohne oder Münze im Dreikönigskuchen.

Konfetti

Foto: Konfetti; c/o Sylvia Koch

In die Faschingszeit fallen als Höhepunkte der Unsinnige Donnerstag, gerne als Weiberfasching (im Auftrag der Krawattenindustrie) ausgetobt, der Rußige Freitag und der Gschmalzene (Schmalzige) Samstag. Die Fastnacht ihrerseits umfasst die sechs Tage vom Lumpigen Donnerstag bis Fastnachtsdienstag. Der Karneval, organisiert vom Elferrat, wird auch am 11.11. eingeleitet. Sein Höhepunkt ist der Rosenmontag.

Doch egal, wo und wie Narren und Tollheiten sich ins Getümmel stürzen, am Aschermittwoch ist überall alles vorbei. Zum Zeichen der gefühlten Reue streuen sie sich Asche aufs Haupt. Oder Aspirinpulver ins Wasserglas.

Was allerdings ganzjährig bleibt von der närrischen Zeit, ist der sprachliche Unfug, den derselbe hervorgebracht hat: Uz, Fez, Streich, Posse, Farce, Facksen, Firlefanz, Jux.

 

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