Home
multi-deutsch
Volkspoesie
Wörterbuch
Schimpf-?-Wörter
Zungenbrecher
Heischegänge
Wortspielereien
Osterfastenzeit
Ostern
Walpurgis
Muttertag & Vatertag
Pfingsten
Fronleichnam
Johanni
Jahr aus - Jahr ein
Regiokatessen
Stadt, Land, Dorf
Mariä Himmelfahrt
Maria Kräutlein
Krautiges
Kaffeegenuss
Kaffeeklatsch
Almabtrieb
Erntedank
Erntedank-Rezepte
Kirchweih
Rezepte zur Kirmes
Kirchweihbrauchtum
Allerheiligen
Kürbis & Co
Allerseelen
Märkte im Advent
Martini - Nikolaus
Weihnachtsbäckerei
Advent
Lucia - St. Thomas
Weihnachtspostämter
Heiligabend
Heiligabend internat
Schöne Bescherung
Silvester
Silvester internat.
Dreikönigstag
Vom vierten König
Vogelhochzeit
Lichtmess
Rezepte zu Lichtmess
Vielliebchen
Legende vom Valentin
Tolle Tage
Rezepte zum Fasching
Gern-Verreisende
Publikationen
Kulinarisches
Kaleidoskop
Impressum
Sitemap

Zeit für Narren = Närrische Zeiten

  • Karneval im Rheinland (carne vale = Fleisch adé-Lebewohl)
  • Fastnacht in Mainz, Fasnacht in der Schweiz, Fasnet/Fasnecht im alemannischen Sprachraum, Fasent im Badischen, Fasse in Frankfurt/Main, Foosernachd in Franken, Fastelabend in Pommern (vastnacht = Vorabend des Fasttages, Nacht zum Aschermittwoch)
  • Fasching in Süd- und Südostdeutschland (vaschanc/vastschang = Ausschank des Fastentrunks; Zechen vor dem Fasten)

Viele Namen und Deutungen für eine Narretei. Für die Gelegenheit, einmal im Jahr so richtig auf die Pauke zu hauen, sich zu verkleiden, sich unter Masken versteckt über Mitmenschen, noch lieber über Obrigkeiten lustig zu machen. Und letztmalig vor der Osterfastenzeit ausgiebig zu schlemmen.

Der Fasching ist eine ureigene „Erfindung“ des Christentums. Heiden hatten um diese Zeit anderes zu tun, nämlich recht übermütig den Winter auszutreiben und zu besiegen. Dass sich das dabei zelebrierte Lärmbrauchtum mit und ohne Mummenschanz mit dem einen oder anderen Karnevalsritus überlagerte, fügt sich närrisch gut.

Narrenpossen wurden durch den Klerus zu fast allen Zeiten ausdrücklich gefördert, wenngleich die Sittenstrenge niemals nachlassen durfte. Einmal im Jahr war es geboten, das Diesseits mit all seinen Vergänglichkeiten zu spüren. Wichtig war das Ausleben der verkehrten Welt als „Was-wäre-wenn-Spiel“: Knechte spielten Herrschaft, Geistliche den Teufel, Gelehrte den Hanswurst. Schelme gingen als Ritter, Nonnen und Mönche verkleideten sich als Unchristliche. Daher gehören Turbane, asiatische Strohhüte und Fezkappen in jeden Kostümfundus. Aus gleichem Grunde der indianische Federschmuck mitsamt dazugehöriger Staffage. Auch wenn sich die Vorlieben immer wieder wandeln – am beliebtesten bleiben die Gewänder der Bösen und Gesetzlosen, der Ausgestoßenen und Verfolgten.

Evangelischen Christen hingegen liegt weniger an der Tollerei, meist verpönen sie dieselbe. Vor diesem religiösen Hintergrund erschließt sich auch die geografische Verteilung der Narrenhochburgen: je strenger katholisch, desto karnevalistischer. Das trifft nicht nur auf Deutschland zu. Wenn wir uns anschauen, wo in der Welt ausgiebig Karneval zelebriert wird, erkennen wir, dass er unbedingt ein katholischer Welthit ist.

Es gibt vielerlei Faschingsbräuche. Sie unterscheiden sich in der Art des Feierns, des Maskierens und des Schabernacks. Darin, ob Umzüge auf Straßen, ob Prunksitzungen oder Tanzbälle stattfinden, sowie in der Dauer der tollen Tage.

Mancherorts beginnt die Faschingszeit am magischen Elften-Elften, dieweil die Zahl 11 bedeutungsschwer mit der närrischen Zeit verwoben ist:

  • So, wie die beiden Einsen einander gleichen, symbolisiert die Elf die Gleichheit aller Narren.
  • In der christlichen Religion verweist sie auf Sündhaftes. Es gibt zehn Gebote; die überzählige Elf steht für Überschreitung.
  • Auch das dekadische Zahlensystem macht quasi vor der Elf halt.
  • Erst die Zwölf ist wieder eine gefällige, eine anständige Zahl: Sie steht für die Apostel, die Anzahl der Monate und Tierkreiszeichen, geht in die Länge eines Tages ein.
  • Wenn die Uhrzeiger auf 11:11 Uhr stehen, zeigen sie ein schiefes, versch(r)obenes Viertelsegment.
  • In Verspottung der Französischen Revolution wurden einst deren Schlagworte Egalité, Liberté und Fraternité auf ELF reduziert. Und so müssen auch heute immer wieder die drei Buchstaben für Anspielungen auf den aktuellen Zeitgeist herhalten.

An Martini, am 11.11., beginnt die vorweihnachtliche Fastenzeit, weshalb es hier wie an Fasching noch mal ausgiebig zu schlemmen und zu feiern gilt. Alemannischstämmige und Österreicher eröffnen die Fünfte Jahreszeit am 6. Januar (Großneujahr). Beim Dreikönigsmahl wurde etwa ab dem 13. Jahrhundert per Los der „Freudenkönig“ bestimmt. Dieser scharte alsbald einen ganzen närrischen Hofstaat um sich. Das Los versteckte sich als Bohne oder Münze im Dreikönigskuchen.

Konfetti; c/o Sylvia Koch

In die Faschingszeit fallen als Höhepunkte der Unsinnige Donnerstag, seitens der Damen gerne als Weiberfasching der Krawattenindustrie gewidmet, der Rußige oder Kitzelige Freitag und der Gschmalzene (Schmalzige) Samstag.

Die Fastnacht ihrerseits umfasst die sechs Tage vom Lumpigen Donnerstag bis Fastnachtsdienstag.

Der Karneval, organisiert vom Elferrat, wird auch am 11.11. eingeleitet. Sein Höhepunkt ist der Rosenmontag, seiner Wortherkunft nach namentlich ein Rasender.

Doch egal, wo und wie all die Narren und Tollheiten sich ins Getümmel stürzen, am Aschermittwoch ist überall alles vorbei. Zum Zeichen der gefühlten Reue streuen sie sich Asche aufs Haupt und Aspirinpulver ins Wasserglas.

Was allerdings ganzjährig bleibt von der närrischen Zeit, ist der sprachliche Unfug, den derselbe hervorgebracht hat, alias Uz, Fez, Streich. Posse, Farce, Faxen, Firlefanz und Jux.

 

weiter mit: Rezepte zum Fasching