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Schöne Bescherung

Weihnachtsmann; c/o Sylvia Koch

Bescheren heißt geben, zuteilen. Der Unterschied zum Schenken besteht darin, dass der Stärkere dem Schwächeren, der Höhere dem Niederen, der Reiche dem Armen beschert. Schenken indes beruht auf Gegenseitigkeit.

 

Schenktage, die sich im Zuge der Weihnacht etablierten, sind der 6. Dezember (St. Nikolaus), die Heilige Nacht, der erste Weihnachtsfeiertag und der 6. Januar (Dreikönigstag). Das Vielerlei resultiert daraus, dass der Zeitpunkt von Christi Geburt seitens der Kirchenoberen auf Konzilen und Synoden und obendrein per Kalenderreformen immer wieder mal neu errechnet oder festgelegt wurde. Das wiederum machte sich notwendig, weil Jesu Leben erst im Nachhinein, etwa ab dem 3. Jahrhundert der Zeitrechnung, erforscht und rekonstruiert worden ist.

Doch nicht nur die Schenktage variieren, auch der Gabenbringer gibt es viele: Weihnachtsmann, Christkind & Co. teilen sich die Arbeit auf.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verlegte Martin Luther die Bescherung der Kinder, bis dahin zumeist durch den Heiligen Nikolaus praktiziert, auf die Weihnacht. Luther missbilligte die Heiligenverehrung, welche für Protestanten als lässlicher Personenkult gilt. Schön hingegen: Luther hat nicht das Schenken abgeschafft!

Andernorts wiederum ist es schlichtweg kommod, die Bescherung auf den 25. Dezember, einen arbeitsfreien Feiertag, zu legen.

Gabenbringer

Die Garde der Gabenbringer führt der fränkische Pelzmärtel an, der in Pelz gekleidete Heilige Martin. Er kommt am 11. November, teilt Süßigkeiten aus, und da er weiß, dass die Kinder nicht immer artig sind, wird er vom finsteren Krampus begleitet.

 

Niederländische Kinder freuen sich in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember auf Geschenke vom Sinterclaas. Der saust mit seinem Schimmel durch den Schornstein und legt die Gaben in die Holzpantinen. Begleitet wird Sinterclaas vom Zwarten Piet, der die bösen Kinder erschreckt. Quer durch die deutschen Lande dreht der Nikolaus seine Runden.Was er nächtens nicht schafft, erledigt er an seinem Namenstag. Nikolaus führt den Grabbelsack bei sich, aus dem sich brave Kinder ein kleines Geschenkpäckchen herausnehmen dürfen.

 

Ist es nicht zauberhaft, dass in der Vorweihnachtszeit ein jeder sich als Gabenbringer einbringen kann? Nämlich beim Wichteln, da Freunde, Bekannte und Kollegen einander beschenken. Oft werden Lose gezogen, wer wen überraschen darf. In Norddeutschland heißt das Wichteln Julklapp, in Österreich Engerl-Bengerl. In Irland wichteln nur die Mädchen beim Kris Kindle, das seinen Namen offensichtlich mit unserem Christkind teilt.

 

In den 13 Tagen vor Weihnachten, zwischen dem 12. und 24. Dezember, spielen isländische Yuleman den Menschen troll-dreiste Streiche. Am 12. beginnt einer, und jeden Tag kommt ein weiterer hinzu. Die Yuleman sind 13 Trolle, die der Liaison einer Hexe mit einem Riesen entstammen. Früher nahmen sie den Kindern diverse Sachen weg. Heute soll es schon mal vorkommen, dass sie die Kleinen beschenken. Freilich nur die artigen Kinder. Wer eine Kartoffel geschenkt bekommt, gehört dem Vernehmen nach wohl nicht zu den Braven. Ab dem 25. Dezember verschwindet jeden Tag einer der Trolle. Der letzte wird am 6. Januar mit einem bunten Feuerwerk verabschiedet.

 

An Lucia (13.12.) feiern die Schweden das Lichterfest. Am Abend bringen die Kinder ihren Wunschzettel in den Schuppen oder in die Scheune. Wenn sie Glück haben, war der Weihnachtswichtel schon da und hat ihnen hier vorab eine kleine Gabe hinterlegt.

 

Zum schwedischen Julklapp reißt jemand die Tür auf, schmeißt die Geschenke in die Wohnstube und verschwindet wieder. Das wird wohl Jultomte oder einer seiner Gehilfen, einer der Tomtebisse, sein. Womöglich haben sie noch viel zu tun, weshalb sie so eiligst abrauschen. In der Oberlausitz war einst in gleicher Mission der Einschmeißer unterwegs. Wer auch immer sich dahinter verbarg ... er warf Äpfel und Nüsse in die Häuser und trollte sich.

 

In Ungarn bekommen die Kinder am 6. Dezember vom Mikulás die Schuhe gefüllt. Mit Süßem oder einer Rute. Am Heiligen Abend dann geht es mit dem Luca-Stuhl in die Kirche zur Christmette. Der Stuhl wird ab dem Luca-Tag (13. Dezember) selbst gebaut. Wer auf ihm steht, kann Hexen entdecken und sie vertreiben helfen.

 

Spätestens am Mittwoch vor der Weihnacht macht sich Dzecatkodas sorbische Bescherkind, auf den Weg zu den Kindern. Es bringt in Begleitung von zwei Mädchen ein paar Süßigkeiten vorbei. Die Mädchen sorgen dafür, dass sich das Bescherkind nicht verläuft. Denn es trägt einen traditionellen Kopfputz mit herabhängenden Bändern, die Gesicht samt Sicht verdecken.

Julenisse; c/o Sylvia Koch

 

 

 

In Norwegen und Dänemark sind die Julenisse (Weihnachts-Nils) unterwegs. Zum Dank für ihre Dienste stellen die Menschen ihnen am Heiligen Abend einen Milchreis mit Zimtzucker vor die Tür. In ländlichen Gebieten ist dies mit Bitten um ein gutes Erntejahr verbunden. Wohlgesonnen stimmt den Nisse, wenn inmitten des Milchreises ein großer Klecks zerlassener Butter leuchtet.

 

 

 

 

 

Deutschlands Norden und der Osten befinden sich fest in der Hand des Weihnachtsmannes; und im Süden beschert das Christkind am Heiligen Abend. Der Weihnachtsmann ist in Europa seit dem 19. Jahrhundert unterwegs. Dass die CocaCola Company ihn erfunden habe, stimmt somit nicht. Allerdings ist er marketingstrategisch arg im Stress, seit Mr. W. alias Santa Claus von genanntem Getränkeriesen in Beschlag genommen wurde.

 

Recht derb erscheint uns ein katalanischer Weihnachtsbrauch. Ab dem 8. Dezember (= Maria Empfängnis), wird Caga Tió tagtäglich gefüttert mit Orangen, Nüssen, Schokolade und Brot. Diese Pflege gedeiht ihm an, damit er zum Weihnachtsabend recht fleißig Geschenke - hm, nun ja - ausscheiden kann. Caga Tió ist nämlich nichts anderes als der Kackende Holzklotz: ein Baumstamm oder kräftiger Ast, dessen Schnittfläche als fröhliches Gesicht bemalt wird, der ein rotes Mützchen trägt und von einer Decke gewärmt wird. Zwecks Bescherung schlagen die Kinder, ein Liedchen singend, mit Stöcken auf den Holzscheit ein, der dann tatsächlich kleine Geschenke ausbringt, die sich unter seiner Decke finden.

 

Am ersten Weihnachtsfeiertag macht sich in Frankreich Père Noel auf den Weg zu den Kindern. Er trägt einen langen, roten Überrock und eine Zipfelmütze. Sowie einen Korb voller Geschenke auf dem Rücken.

 

In Nordamerika und in Australien saust Santa Claus per Rentierschlitten durch die Landschaften und wirft in der Nacht zum 25. Dezember die Geschenke durch den Kamin. Gelegentlich nimmt er sich höchstpersönlich die Zeit, durch den Schlot zu rutschen, um Gaben in die aufgehängten Weihnachtsstrümpfe zu stecken.

 

In Russland wird am 31. Dezember das Jolkafest begangen, das seinen Namen vom russischen Wort für den Tannenbaum ableitet. Es war das in kommunistischer Zeit verordnete atheistisch zu feiernde Fest. Djed Moros (Väterchen Frost) kommt in Begleitung eines kleinen Mädchens und bringt den Kindern Geschenke. Die Kleine heißt Snegurotschka, Schneeflöckchen, und ist die Enkelin des Frostigen. Djed Moros ist hauptberuflich für einen strengen, gar zapfig-kalten Winter zuständig.

Die russisch-orthodoxe Weihnacht fällt per Julianischer Zeitrechnung auf den 7. Januar. Während es zum eher weltlichen und daher in der Sowjetunion präferierten Jolkafest Geschenke gibt, steht für die orthodoxen Christen nun eine feierliche Messe im Mittelpunkt.

 

In weiten Teilen der christlich-orthodoxen Ostkirche beschert der Heilige Basilius am 1. oder 2. Januar.

 

Die Dreikönigshexe Befana ist in verschiedenen Gebieten Italiens unterwegs. Sie verteilt ihre Geschenke in der Nacht zum 6. Januar. Da die Hexe natürlich auf einem Besen durch den Kamin einfliegt, schaut sie schwarz verrußt aus. Bösen Kindern steckt sie allerdings keine Süßigkeiten in die Schuhe, sondern Holzscheite und Kohlestücke. Befana leitet sich ab von Epiphanie (griech. epiphaneia = Erscheinung; 6. Januar = Feiertag „Erscheinung des Herrn“).

 

Geschenke gibt es in Portugal und Spanien am 6. Januar. Caspar, Melchior und Balthasar reiten am 5. Januar auf Kamelen durch die Orte, bringen ihr Gefolge und Geschenke mit. Jedoch verteilen sie auch Kohlestücke an die weniger braven Kinder. Die „Kohle“ besteht zwar aus Zucker, ist trotzdem nicht so sehr begehrt.